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Lily Evans - Druckversion

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Lily Evans - Lily Evans - 08.12.2025

» Kindheit in einem normalen Dorf, mit normalen Freunden und ein bisschen Magie. (1960-1969)

Lily erinnert sich gerne an die Zeit zurück, in der sie mit Petunia draußen nach der Schule gespielt hat, während ihre Eltern noch arbeiten waren - das taten Eltern in den 60er Jahren oft so, wenn das Einkommen des Mannes nicht ausreichte, um die Haushaltskosten zu decken. In Cokesworth gab es nicht viel für Kinder zutun, außer draußen auf der Straße mit Kreide zu malen, über Seile zu hüpfen und auf dem rostigen Spielplatz zu schaukeln. Machte aber nichts, denn alles, was Petunia mit ihren Freunden gemacht hat, fand Lily cool.
Vermutlich hing sie ihrer großen Schwester ein wenig zu sehr am Rockzipfel und wollte ihr zu sehr gefallen, plapperte ihr zu oft nach und nahm sie als Vorbild für viele soziale Interaktionen. Sie weinte, wenn Petunia bei Kartenspielen schummelte, und hörte auf sie, wenn sie ihr anwies, nicht über den Nachbarszaun zu klettern.
Eine Weile jedenfalls. Lily begriff damals schon mit ihrem kleinen Köpfchen, dass ihre Eltern sie immer belächelten, wenn sie mal wieder über die Möbelstücke sprang und behauptete, der Boden wäre Lava, während Petunia nur einen strengen Blick von ihrem Vater erntete mit einem schroffen Setz deiner Schwester nicht solche Flausen in den Kopf. Denn sie war ja die Ältere. Sie hatte mit Lily ja zu teilen - ihre Zeit, die sie lieber mit ihren eigenen Freunden verbringen wollte, ihre Spielsachen, sogar ihre Kleidung. Lily selbst hielt sich nur zurück, weil sie sich nicht schon wieder mit Petunia streiten, sondern ihr gefallen wollte; von ganzem Herzen. Es schien ihr nur von Jahr zu Jahr schwerer zu fallen.

Irgendwie hatte sie schon immer gewusst, dass etwas mit ihr nicht stimmte, dass da etwas war, das sie nicht fassen konnte. Es fing tatsächlich bereits vor ihrem 10. Lebensjahr an, immer wieder in kleinen, spontanen Wundern, wie ihre Eltern es betitelten, wenn das Licht im Wohnzimmer doch wieder anging, obwohl der Strom eigentlich ausgefallen war, das Radio auf einmal mitten in den Nachrichten Lilys Lieblingslied spielte oder Blumen sich nach ihr ausstreckten. Mit frischen 9 Jahren wusste sie bereits, dass sie sicher landen würde, auch wenn sie sich von der Schaukel in die Luft katapultierte und im Freifall lachend ihre Arme ausstreckte - sie hatte sich schließlich schon oft genug dabei die Knie aufgeschürft. Die Blumen taten mittlerweile oft das, was sie wollte, und sie verstand nicht, warum Tuny nicht genauso fasziniert von den Blüten sein konnte, die in Lilys kleiner Hand auf und zuklappten wie eine atmende Muschel, sondern sie nur schroff anwies, sowas nicht draußen zu machen, wo man sie sehen konnte.

» Türen zu einer neuen Welt (1969-1971)

Dass die beiden Schwestern schon über längere Zeit aus sicherer Entfernung heraus beobachtet wurden, wurde ihnen erst bewusst, als der Junge aus Spinner's End auf sie zukam und Lily darauf ansprach, was sie demonstrierte. Es war kindliche Neugierde, die sie an seine Lippen band, da er Antworten auf ihre Fragen hatte. Was andere Kinder an ihm störten, seine unpassenden Kleidungsstücke und ungewaschenen Haare, war für Lily kaum von Bedeutung, wenn er ihr die Welt erklärte; eine Welt, die auf einmal einen Platz für sie hatte. Eine Welt, zu der Petunia keinen Zutritt hatte; etwas, das Lily schon länger bewusst gewesen war, sie aber nie so recht begreifen wollte.
In der magischen Welt, wie Severus Snape ihr erklärte, hatten Muggel wie ihre Schwester keinen Platz. Lily und er waren für Großes bestimmt, würden an eine magische Schule gehen und Fantastisches erleben. Petunia verstehe nichts, weil sie ein Muggel war, und sie wäre eifersüchtig, also nenne sie Lily gemeinerweise eine Hexe.

» Zwischen Magie und Realität (1971-1975)

Und Petunia behielt Recht, ihre Schwester war eine Hexe. Das erklärte Minerva McGonagall der kleinen Familie persönlich, während Lily mit einem Strahlen in den Augen ihren Hogwartsbrief in den Händen hielt. Für Bonnie und George fügte sich nur ein Puzzlestück in das andere, da sie schon immer davon überzeugt gewesen waren, dass ihre Tochter sich von anderen abhebe, etwas Besonderes wäre - der Beweis dafür, dass man nicht in der gleichen Klasse enden musste, in die man geboren worden war.
Und vielleicht war Lily froh, aus ihrem Umfeld rauszukommen. Ein kleiner, selbstsüchtiger, ekliger Teil in ihr wollte das Leben beanspruchen, das ihre Schwester nicht haben konnte. Sie wollte sich abheben. Wollte sich selbst behaupten und über ihre Herkunft hinauswachsen. Sie wollte etwas bewegen in einer Welt, die vom Rebellionsgeist der Zeit gezeichnet war.
Dieser kleine, selbstsüchtige Teil war auch froh, dass sie nicht mit Petunia im Zug nach Hogwarts saß, sondern mit ihrem besten Freund Severus, auch wenn die letzten Worte ihrer Schwester am Gleis - "Du Freak!" - sie tiefer trafen, als sie zugeben wollte.

Vielleicht war es jener bittere Abschied, der sie unempfänglich für die neuen Gesichter machte, denen sie genau die gleiche Abscheu gegenüber Severus ansah, wie den anderen Kindern in ihrem Dorf auch. Sicher würde sie ihre Schulzeit nicht mit so Kindereien anfangen, wo sie dachte, sie hätten das hinter sich gelassen. Aber nein, wie sie schnell merkte, wiesen Muggel- und magische Welt mehr Parallelen auf, als ihr lieb war, und die zwei Naseweiße, die sich schon vor der richtigen Einschulung hoch profilierten, waren nur der Anfang von dem, was sie noch erwartete.

In Cokeworth hatte sie mitbekommen, wie eine Nachbarsfamilie diskriminiert wurde, nur weil sie nicht den gleichen hellen Hautton wie die anderen aufwiesen und die Worte ein wenig anders aussprachen. Anders sein schien in jeder Gesellschaft negativ zu sein, selbst in einer, die davon lebte, dass ihre Bevölkerung anders war.
Auf Lily selbst traf das erst nicht so ganz zu, obwohl sie wider ihrer Hoffnung in ein anderes Haus als Severus eingeteilt wurde. Sie verstand das Schulsystem und stieg schnell dort auf, obwohl ihr die Erfahrung vieler Schüler mit magischen Eltern fehlte, knüpfte Kontakte und passte sich an. Ihr Freund hingegen hatte schon immer Schwierigkeiten gehabt, sich neben anderen Kindern einzugliedern; er schien immer noch der Andere zu sein, auch in einer magischen Gesellschaft.
In Lilys Augen hingegen trug Severus keine Schuld an den Schikanen, die er von den Würmern Potter und Black über sich ergehen lassen musste. Und sie war es leid, ständig nur zuzusehen, wie er von anderen zum Außenseiter gemacht wurde. Vielleicht hätte sie fragen sollen, ob er wollte, dass sie ihn verteidigte. Tat sie aber nicht. Diskriminierung war in ihrer Welt Gang und Gebe, sie würde es hier nicht auch noch zur Routine machen, wegzusehen. Auch wenn sie dafür Blicke kassierte und potentielle Freundschaften einbüßte, weil sie einen Slytherin verteidigte. Auch wenn sie sich dafür immer und immer wieder gegen Jungs aus ihrem Haus behaupten musste und die Aufmerksamkeit von Potter auf sich zog, ohne jemals nach ihr verlangt zu haben.

Lily lernte, Menschen, die ihr nahe standen, zu verteidigen, und für ihre Werte von Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Individualität einzustehen. Sie war auch nur ein Bild ihrer Welt, die von Jugendrebellion geprägt war, von David Bowie und der Auflehnung gegen die konservativen Eltern, von Identitätskonflikten und Identitätssuchen. In den Ferien kehrte sie nach Cokeworth zurück und begann, länger mit ihren Freunden draußen zu bleiben, die Severus allerdings nicht mit einschlossen. Sie nahm ihren ersten kleinen Ferienjob mit 13 Jahren (1973) an, um sich eine Schallplatte kaufen zu können, die sie so lange rauf und runter hörte, bis sie einen Sprung bekam. Irgendwann lieh sie sich Petunias Eyeliner und schlüpfte in ihre Ausgehkleider. Sie las die Zeitung und begann, mit ihren Eltern die Nachrichten zu gucken.
Lily lernte auch, wie man das Verbot umging, außerhalb der Schule zu zaubern. Der Aufspürzauber war, wie Severus ihr erzählte, regionsbedingt, weshalb sie sich gerne in der Nähe seines Hauses aufhielt, wo seine Mutter residierte. Nur ein schlauer Geist, der wusste, wie man überlebte? Oder die Anfänge einer raffinierten Hexe, welche die Grenzen ihrer eigenen Welt austestete?

» Bruch einer Freundschaft (1975)

In Wahrheit guckte sich Lily einiges von den Rumtreibern ab, auch wenn sie über Jahre hinweg vehement jeden Kontakt zu ihnen abwehrte und nicht mehr für sie übrig hatte als für Bullies einer Muggelschule. Sie verstand ihr protziges Verhalten schnell und nahm sich einfach vor, besser als sie zu sein. Das hieß nicht, dass sie jedem Ärger fernblieb - nein, sie stellte das Regelbrechen nur intelligenter an als ihre Hauskollegen. Subtiler, wenn man es so wollte, und bei weitem nicht so häufig.
Und wenn niemand hinguckte, dann erlaubte sich Lily einen Blick in Potters, Blacks, Lupins und Pettigrews Richtung, und sie fragte sich: Wie konnte man durch die Welt schreiten und so tun, als könnte niemand einem etwas anhaben? Lilys Stärke war eine Fassade, die sie selbst aufgebaut hatte, nicht mehr als eine dünne Hülle, weil das Mädchen darunter langsam verstand, wie die Welt funktionierte. Sie war nicht blind gegenüber den Berichten aus den Zeitungen und den Vorfällen an der Schule, in der stets Muggelstämmige die Opfer waren, und... sie hatte Angst. Denn im Gegensatz zu den Rumtreibern stand sie zunehmend alleine da.

Denn Severus bewegte sich in eine Richtung, die sich gegen alles strebte, wofür Lily stand. Sie hatte es schon früher bemerkt, in den Ferien, wo sie nicht mehr so eng Schulter an Schulter im Gras lagen. In seinem Blick, der manches Mal flackerte zwischen Ablehnung und Unsicherheit, warum? Weil sie eine muggelstämmige Hexe war? Weil sie unreines Blut hatte, wie seine Freunde Mulciber und Avery behaupteten? Wenn sie gemeinsam lernten und diskutierten, merkte sie, wie sie die Rumtreiber immer öfter in Schutz nahm und Potter sogar verteidigte, weil er Severus das Leben gerettet hatte. Sie wollte begreifen, was er so an seinen neuen Freunden fand, die sich doch so offensichtlich nicht um ihn scherten. Was bedeutete das auch für ihre Freundschaft, wenn er Nähe zu jenen suchte, die Menschen wie sie für Magiestehler hielten - und was sagte das über sie selbst aus, die sie doch mit denen sympathisierte, die sein Schulleben zur Hölle gemacht hatten?

Der Konflikt gipfelte in einem Tag am See, wo Potter wieder einmal beweisen musste, was er doch für ein unreifer, arroganter Vollpfosten war, aber Severus ihm leider in nichts mehr nachstand. Vielleicht hätte sie sich nicht in das Spektakel einmischen sollen, das man so offensichtlich vor ihren Augen abzog, vielleicht wäre es nicht so eskaliert, wenn sie einfach weggegangen wäre. Im Nachhinein war es vermutlich eine Abmahnung vom Leben, wie sich eine Freundschaft auseinander entwickeln konnte, wenn man nicht genug für sie kämpfte.
Severus Fluch ließ Potter bluten, dessen Konter hob ihren Freund in die Luft und entblößte ihn auf höchst unangenehme Weise, die Lily auch heute noch nicht verzeihen kann. Aber wie gerne behauptet wird, tritt die wahre Überzeugung eines Menschen ans Licht, wenn er an seine Grenzen gepusht wird. In Lilys Ohren verletzte sie die Beleidigung "Schlammblut" aus Severus Mund schlimmer als das Wort "Freak" von ihrer Schwester. Denn sie hatte lange daran festgehalten, dass er sie nicht für anders empfand. Sie hatte lange hoffen wollen, dass sie beide für dieselbe Seite kämpfen könnten. Doch scheinbar hatte sich Severus bereits für eine Welt entschieden, die Lily als Schlammblut nicht mehr beinhaltete.

Lilys ZAGs litten in diesem Jahr, obwohl sie unter anderen Umständen dem Jahresbesten den Platz hätte streitig machen können. Das lag mitunter auch daran, dass ihr Vater kurz vor den ZAGs tragisch verstarb und sie ohne Severus in ein Loch riss, aus dem sie sich nicht mehr alleine graben konnte.
Trost fand sie in ihren Freundinnen, die ihr in dieser Zeit enger ans Herz wuchsen: Marlene McKinnon und Mary Macdonald. Auch Remus Lupin wurde zu einer immer häufigeren Präsenz neben ihr in der Bibliothek, während sie über einem Buch mit den Tränen kämpfte und er ihr heimlich seine Schokolade anbot. In diesem Jahr fand sie die Rumtreiber gar nicht mehr so schlimm, wie die Jahre davor.

» Gleichstellung (1976-1978)

Beide Welten veränderten sich. Ihre Muggelfreunde, darunter die indische Immigrantin aus ihrer Nachbarschaft, wurden erwachsen und zeigten ihr, was Punk Rock war. Nahmen sie mit in eine Garage, die zu einem Jugendtreff umgebaut war und ließen sie an einer Zigarette ziehen. Sie war das erste Mal betrunken, weil man das bei ihr im Dorf nunmal so machte; die Rebellion gegen Eltern, die ihren Kindern nicht mehr Strafe aufzwingen konnten als eine Hand voll Hausarrest.
Aber Lily entfernte sich zunehmend von ihnen. Nach Hause kommen fühlte sich an wie Ferien, etwas, das sie hin und wieder tat, ohne noch so richtig in der Welt zu leben. Es war das Leiden des Erwachsenwerdens, wenn man realisierte, dass man sich auseinanderlebte.

Mit zunehmendem Alter identifizierte sich Lily mit den Problemen der magischen Welt, in der sie sich ausgesucht hatte, zu leben, und sie lernte, was es hieß, sich in ihr zu behaupten. Slughorn lud sie in seinen Club ein, aus dem sie sich Beziehungen, gute Noten und auch ein wenig Genugtuung gegenüber den Reinblütern versprach. Der Rückhalt ihres Hauses, den sie nach dem Bruch mit Severus uneingeschränkt zu verzeichnen hatte, verlieh ihr Mut und Kraft, sich gegen die Reinblüter zu wehren, die auch ihr das Leben schwer machen wollten. Im Grunde hatte sie ihr Leben lang nichts anderes getan, als sich in Welten zu behaupten, die sie nicht haben wollten.
Aber vielleicht stimmte das gar nicht so. Gryffindor wollte sie. Marlene und Mary wollten sie. James wollte sie - mit all dem, wofür sie stand und was sie fühlte.
Potter war ein frustrierender Zeitgenosse, ein Mobber und der größte aufgeblasene Hahn, den die Schule zu bieten hatte. Aber er war auch ein unglaublich loyaler Freund und stand für die Schwächeren ein, die sich Slytherin zur Zielscheibe gemacht hatte. Wenn er sie ansah, dann nicht für das, was sie war - eine muggelstämmige Hexe - sondern wer sie war; Lily Evans. Eine temperamentvolle Hexe, die hin und wieder zu viel fühlte. Ein Mädchen, das sich aus einer normalen Familie an die Spitze ihrer magischen Schule gekämpft hatte. Lily, die offen für Elfenrechte und gegen Diskriminierung einstand. Die längst nicht perfekt war und manisch an dem Besten in Menschen festhielt, nur um immer wieder enttäuscht zu werden. Und auch wenn sie es lange, lange nicht zugeben wollte, verstand sie, warum andere sich sicher in seiner Nähe fühlten. In seinen Augen sah sie eine Zukunft so greifbar nahe, weil er so überzeugt davon war, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Er gab ihr Flügel, von denen sie nicht wusste, dass sie welche besaß.

Im siebten Jahr, nachdem sie beide zu Schulsprechern gewählt wurden, gab sie ihm also seine Chance - mit einer langen Liste an Punkten, die sie von ihm hochheilig unterschrieben haben wollte. Doch im Grunde erwartete sie nichts anderes von ihm als das eine: Ihm gleichgestellt zu sein. Als Lily respektiert zu werden. Herausforderung und die Sicherheit, anzukommen. Nicht auf Eierschalen zu laufen, wie sie es bei Severus getan hatte, sondern sie selbst sein zu können.
So erlebte er ihre Familie in dem Scherbenhaufen, die sie war, und Lily bezweifelt heute, dass es eine gute Idee gewesen war, ihn Petunia und ihren Verlobten vorgestellt zu haben. Das Treffen endete in einem verletzten Potter-Ego, einem wütenden Muggel, einer schreienden Petunia und einer weinenden, überforderten Lily, die trotz aller Rückschläge irgendwie noch Hoffnungen hegt, die Beziehung zu ihrer Schwester wieder aufzubauen. Die Hochzeit von Petunia verlief ähnlich schmerzhaft, auf der Lily nicht einmal als Brautjungfer, geschweige denn als Trauzeugin auflaufen durfte. Immerhin Bonnie, ihre Mutter, schien Gefallen an James zu finden, der dem langweiligen Vernon doch in so vielen Punkten überlegen sei.

» Hoffnung (1978)

Lily führte James langsam in ihre Welt, die alte Muggelgegenstände wie ein Auto oder eine Schallplatte beinhaltete. Im Gegenzug ließ sie sich in seine Welt entführen und von seinen Lobesreden über Quidditch mitreißen. Warum? Weil sie fasziniert davon war, wie viel Lebendigkeit aus seinen Augen sprühen konnte, wenn er über etwas redete, was ihm am Herzen lag. Gleiches sah sie im Umgang mit seinen Freunden, die auch zunehmend Nähe zu ihr aufbauten. Am letzten Wochenendtag vor den UTZ war sie diejenige, die als erste zu der Flasche Feuerwhiskey griff, die Sirius in den Gemeinschaftsraum geschmuggelt hatte; mit einem Schulterzucken und der Überzeugung, dass es sich besser lernte, wenn man ein wenig getrunken hatte.

Und das Pauken zahlte sich aus. Lily glänzte mit Bestnoten, die ihr Ausbildungsplätze in jede Richtung ermöglichten. Ihre Wahl hingegen fiel schnell auf das St. Mungos, nachdem sie durch Petunia erfuhr, dass ihre Mutter krank war. Sie braucht das Geld, und außerdem verlangen beide Welten von ihr ab, dass sie diejenigen schützt, die ihr am Herzen liegen. Ihre Mutter auf der einen Seite, für die das kleine Mädchen in ihr noch irgendwie hofft, ein Heilmittel zu finden. James und ihre Freunde auf der anderen Seite, die mit ihr gemeinsam Dumbledores Ruf in den Orden des Phönix gefolgt sind. Was das aus ihr macht?

Eine Hexe, die scheinbar nicht weiß, wann sie aufgeben soll.

Oder eine junge Frau, die Hoffnungen auf eine Zukunft hegt, während andere bereits aufgegeben haben.