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Rodolphus Lestrange
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Junior MemberRodolphus bewegt sich mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit durch die elitären Kreise der magischen Gesellschaft, die kaum übersehen werden kann. Kultiviert, kontrolliert und von beinahe irritierender Höflichkeit geprägt, wirkt er auf den ersten Blick deutlich nahbarer als viele andere Vertreter der konservativen Reinblutfraktion. Gerade diese ruhige Art kann allerdings dafür sorgen, dass Begegnungen mit ihm schnell alles andere als angenehm sind.
Rodolphus beobachtet aufmerksam, spricht überlegt und besitzt die Angewohnheit, Menschen in wenigen Minuten präziser einzuordnen als ihnen lieb sein könnte.
Er handelt weder impulsiv, noch fanatisch. Seine Loyalität gegenüber dem dunklen Lord basiert weder auf blinder Verehrung, noch echter Ideologie. Sie wurzelt vielmehr in Rodolphus‘ Pflichtbewusstsein und dem konsequenten Einhalten eines Familienversprechens.
Rodolphus glaubt an Hierarchien, an die Vormachtstellung der Magiebegabten und an eine streng kontrollierte, magische Gesellschaft, vertritt diese Ansicht aber mit einer kühlen, ruhigen Rationalität und nicht mit lautstarken Bekundungen.
Seine fürsorgliche, sanftere Seite bleibt jenen, wenigen Menschen vorenthalten, die ihm wirklich wichtig sind.
Wusstest du, dass...
Jeder weiß, dass...
Freunde und Familie wissen, dass...
Wusstest du, dass...
Todesser Rodolphus verschenkt seine Loyalität nicht leichtfertig. Er wurde nicht aus jugendlicher Verblendung oder blindem Fanatismus heraus Todesser. Ihn leitet sein eigenes Ehrgefühl und das Pflichtbewusstsein seiner Familie gegenüber. Loyalität der Familie gegenüber und politische Macht gelten seit Generationen als Selbstverständlichkeit unter den Lestranges. Und so wäre es ihm niemals in den Sinn gekommen, dem Willen seines Vaters als Oberhaupt der Familie zu widersprechen, als dieser dem dunklen Lord die Loyalität seiner Söhne versprach. Roderick selbst ist fest in die Strukturen der Todesser eingebunden und innerhalb konservativer Reinblutkreise hervorragend vernetzt. Er betrachtete die Bindung seiner Söhne an die Ziele des dunklen Lords als logische Konsequenz zur Sicherung des Einflusses und der Position der Familie. Rodolphus fügte sich in die ihm zugedachte Rolle ohne Protest. Er teilt die konservativen Ansichten der Reinblutgesellschaf und betrachtet Loyalität gegenüber gegebenen Versprechen als selbstverständlichen Teil seines eigenen Ehrverständnisses. Auch dann, wenn er das Versprechen, um das es geht, nicht selbst gegeben hat. Ein Versprechen seines Vaters ist ein Versprechen des aktuellen Familienoberhauptes und hat in Rodolphus‘ Augen damit gewürdigt zu werden. Dass er es sehr wohl als Kränkung empfindet, dass sein Vater ihn und seinen jüngeren Bruder wie eine politische Sicherheit in die Dienste des dunklen Lords stellte, steht neben diesem Ehrgefühl, ohne es zu berühren. Das eine ist die familiäre Verpflichtung, der Rodolphus ohne mit der Wimper zu zucken nachkommt. Das andere ist ein zwischenmenschlicher Streitpunkt zwischen ihm und seinem Vater, der sich in dieser Form schlicht nicht miteinander klären lässt. Er schloss sich den Todessern an, bringt sich bereitwillig dort ein, wo sein Handeln einen Nutzen hat. Sein Wunsch an den dunklen Lord, als er sein dunkles Mal erhielt, hätte hierbei übrigens simpler nicht mehr sein können. Rodolphus wünschte sich lediglich, an seinen eigenen Taten und nicht an seinem Vater gemessen zu werden. Er wollte niemals ausschließlich als Roderick Lestranges Sohn wahrgenommen werden. Hierbei ging es ihm nicht um die Anerkennung des dunklen Lords, aber doch um eine klare Positionierung seinerseits, die für ihn symbolisiert, dass am Ende dennoch nur er selbst entscheidet, ob und wem gegenüber er loyal ist. Innerhalb der Todesser gilt er als kontrolliert und ausgesprochen effizient. Rodolphus geht nicht impulsiv oder offen aggressiv und emotional vor. Er arbeitet ruhig, kalkuliert und präzise, aber mit einer nüchternen Konsequenz, die seine Eignung besonders für die Aufgaben unter Beweis stellt, bei denen Diskretion und strategisches Vorgehen wichtiger sind als offene Gewalt. Seine Loyalität wird, auch aufgrund der von ihm an den Tag gelegten Ruhe, nur selten und niemals ernsthaft angezweifelt. Seine Beweggründe mögen komplexer sein als die so mancher anderer, aber unterm Strich steht, dass Rodolphus Lestrange eine Verpflichtung nur dann eingeht, wenn er auch mit voller Überzeugung dazu bereit ist, sie bis zum Ende einzuhalten – ganz gleich, wie dieses aussehen mag.
Familie Hauptwohnsitz der Familie: Lestrange Court, Kent Heute würde freilich kein Familienmitglied, das etwas auf sich hält noch damit angeben, aber Lestrange Court, der weitläufige Landsitz nahe Kent, wurde der Familie Lestrange einst von keinem Geringeren als Richard Löwenherz höchstselbst geschenkt. Nur einige der besonders alten Portraits flüstern heute noch hinter vorgehaltenen Händen über die Freundschaft des Lestranges, in dessen Besitz das Anwesen überging mit dem Muggelkönig. Und darüber, dass eben jener Lestrange im Hintergrund auch nicht ganz unbeteiligt daran gewesen sein soll, dass besagter König einst auf Trifels eingekerkert wurde. Über die Geschichte mag der Schleier des Schweigens gebreitet worden sein. Gelegenheiten zu sehen und zu erkennen, wenn sie sich bieten, ist den Bewohnern von Lestrange Court jedoch bis heute eigen. Lestrange Court ruht hinter einem eleganten und doch scheinbar aufwandlos angelegten Park. Anstelle von Blumenbeeten finden sich neben den Wegen aus hellem Stein angelegte Beete für jene Pflanzen, die nicht nur hübsch, sondern auch nützliche Ingredienzien für Zaubertränke darstellen. Die Familie spielt hierbei seit Generationen sehr bewusst mit ihrem schwarzmagischen Wissen und ihrem Ruf, findet man einiges an der hier angebauten und kultivierten Fauna doch auch in jenen Tränken, deren Rezepte längst hinter den verschlossenen Türen der Verbotenen Abteilung der Bibliothek von Hogwarts verborgen werden. Selbstverständlich ist den angelegten Beeten eine gewisse Schönheit dennoch nicht abzusprechen. Und die eine oder andere Giftpflanze, die besonders schön anzusehen ist, findet sich, sorgsam getrennt in eigenen Bereichen, ebenfalls hübsch kultiviert in einzelnen Beeten der Parkanlage, deren krönendes Herzstück ein gut gepflegtes Heckenlabyrinth bietet. Das Herrenhaus selbst ist aus dickem, dunklem Stein erbaut und in Haupthaus und zwei Flügel aufgeteilt. Entlang der Dachkanten und an den Vorsprüngen der beiden Seitenflügel sitzen zahlreiche, verwitterte Wasserspeier, deren Formen zwischen grotesken Bestien und magischen Tierwesen changieren. Gerüchten zufolge sind sie nicht lediglich dekorative Elemente, die die Verbindungen der Familie nach Frankreich unterstreichen, sondern auch tief mit den Schutzzaubern des Hauses verbunden. Im Herzteil des Hauses befinden sich neben dem Salon und der Bibliothek auch der Speisesaal und die Arbeitszimmer. Im Inneren des Hauses überwiegt dunkles Holz, sowohl in den Wandvertäfelungen, wie auch den Möbeln. Säuberlich in Vitrinen aufbewahrte Familienerbstücke säumen die Wände ebenso wie unzählige Portraits bereits verblichener Familienmitglieder. Offizielle Gesinnung: konservativ schwarzmagisch Familien-Kurzbeschreibung: Die Lestranges folgen seit langem einer radikal konservativ schwarzmagischen Linie. Magie gehört in die Hände derer, die sie auch zu nutzen wissen. Die Reinheit der Linien ist zu erhalten und auch nur darüber nachzudenken, unreines Blut hinein zu bringen, wäre nichts anderes als ein Sakrileg. Stammbaum:
Bezug zur Umwelt Reinblutgesellschaft Als Mitglied der Unantastbaren 28 zählt Rodolphus sich selbst sehr wohl zur Elite der magischen Gesellschaft. Er sieht es allerdings nicht als notwendig an, dies mit besonders elitärem Verhalten zu unterstreichen oder irgendjemanden auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Er ist sich seines gesellschaftlichen Standes bewusst. Und zwar in einem Ausmaß, in dem dieser für ihn so dermaßen selbstverständlich ist, dass er ihn nicht als Aushängeschild benutzen oder darauf pochen muss, weil niemand ihm seine Stellung wirklich wegnehmen kann. In Rodolphus‘ Augen ist ein Stand, auf den man bei jeder sich bietenden Gelegenheit pochen muss, nichts wert. Lieber lässt er Auftreten und Verhalten für sich sprechen, anstatt sich damit lächerlich zu machen, allen seinen alten Namen und den damit einhergehenden, sozialen Rang unnötig unter die Nase zu reiben. Beides ist da. Er muss seinen Einfluss nicht betonen, um zu wissen, dass er da ist. Und diejenigen, die glauben, ihm diesen Einfluss absprechen zu können, würden früh genug mitbekommen, dass sie sich gravierend verschätzt haben, wenn sie das aus ruhiger Konsequenz bestehende Echo erhalten. Für Rodolphus gibt es keinen Grund, lautstark auf Selbstverständlichkeiten zu beharren. Reinblüter, die glauben, genau dies tun zu müssen, belächelt er im Stillen und zugegebenermaßen tut er sich ausgesprochen schwer damit, sie wirklich ernst zu nehmen, auch wenn das seiner grundsätzlich an den Tag gelegten, ruhigen Höflichkeit, keinen Abbruch tut. Im Stillen ist Rodolphus allerdings sehr wohl davon überzeugt, dass gerade dieses laute Fordern, als das anerkannt zu werden, was einem jeden Reinblut doch ohnehin von Geburt an in die Wiege gelegt wurde, an mehr Problemen der magischen Gesellschaft Schuld ist, als jeder „Blutsverräter“, Muggelstämmige oder Halbblüter es jemals sein könnte. Wären die reinblütigen Familien sich nach wie vor ihrer eigenen Macht sicher und würden überzeugt davon auftreten, bräuchte es keinen Kampf um ein Geburtsrecht, das im Grunde genommen schlicht und ergreifend mit ruhiger Würde hätte vertreten werden müssen, anstatt dass man danach brüllt wie ein übermüdetes Kleinkind nach einem Spielzeug. Halbblüter Im Grunde genommen sollte es sie nicht geben. In einer idealen Welt, in der die magische Gesellschaft sich tatsächlich von den Muggeln fernhielte, wo sie nicht doch auf eine lose Zusammenarbeit angewiesen ist (ja, in Rodolphus‘ Augen ist diese keineswegs vollständig vermeidbar), wären Ehen und Nachwuchs zwischen Muggeln und Magiebegabten schlicht und ergreifend verboten. Das wäre in seinen Augen schlicht die nachvollziehbare Konsequenz, die aus einem konsequent durchgesetzten und durchdachten Geheimhaltungsabkommen zu erfolgen hätte. Wäre dem so, dürfte es nicht zur Entstehung neuer Halbblüter kommen und es würde nicht allzu viele Generationen dauern, bis aus den Linien der jetzt noch vorhandenen Halbblüter ebenfalls wieder Reinblüter erwachsen wären. Was die bisher entstandenen Halbblüter betrifft, so unterscheidet Rodolphus für sich sehr danach, ob diese gewillt sind, sich in die magische Gesellschaft einzufügen oder ob sie immer noch mit einem Fuß in der Muggelwelt stehen. Letzteres stellt für ihn nichts anderes als ein unnötiges Risiko dar, das nicht eingegangen werden sollte und bildet für ihn die wahre Verschmutzung einer Linie. Es geht ihm weniger darum, dass Muggelblut in seinen Augen wirklich das magische Blut schwächen könnte, sondern darum, dass das Produkt aus einer Ehe zwischen einem Muggel und einem Magiebegabten in keiner der beiden Welten wirklich zuhause sein kann, wenn es sich nicht aktiv für die Welt der Magiebegabten entscheidet. Kein Zauberer und keine Hexe können die Magie ohne gesundheitliche und geistige Risiken einfach sein lassen und erwarten, dass das gut geht. Entsprechend wäre ein Leben in der Muggelwelt in Rodolphus‘ Augen niemals ein echtes Leben dort, sondern immer eine irgendwie geartete Mischform, die so nicht stattfinden dürfte. In seinen Augen gehören Kinder, die aus den ohnehin besser verbotenen Beziehungen zwischen Magiebegabten und Muggeln entstehen, schon zu ihrer eigenen Sicherheit aus diesen Familien genommen, die sich immerhin von Anfang an nicht darum gekümmert haben, dass sie ihren Nachwuchs praktisch zwischen zwei Welten zerreißen. Halbblüter gehören für ihn in die magische Welt. Das Problem, das mit ihnen bestehen kann, ist in seinen Augen ein gesellschaftliches, das sich mit einer angemessenen und vernünftigen Erziehung vollständig lösen ließe. Und selbstverständlich hätten für einen so gravierenden Verstoß des magischen Elternteils gegen das Geheimhaltungsabkommen für diesen ernsthafte Konsequenzen zu erfolgen. Muggelstämmige Andere Magiebegabte halten Muggelstämmige für eine Laune der Natur. Rodolphus ist sich dahingehend nicht so sicher. Er glaubt nicht daran, dass ohne eine entsprechende, genetische Veranlagung so oft dieselbe, genetische Mutation entstehen kann. Für Rodolphus steht daher fest, dass „Muggelstämmig“ nicht ganz die richtige Bezeichnung für diese armen Kreaturen sein kann. Er selbst nutzt das Wort „Schlammblut“ keineswegs, weil er sich nicht mit derlei vulgären Bezeichnungen aufzuhalten pflegt. Gleichzeitig ist er der Ansicht, dass es eine im Grunde genommen deutlich passendere Bezeichnung als „Muggelstämmig“ wäre. Die einzige, logische Erklärung, die seiner Ansicht nach für die Existenz dieser Hexen und Zauberer besteht ist, dass entweder ein Zauberer seinen Schwanz nicht in der Hose behalten konnte und eine Muggel geschwängert hat, oder dass Squibs am Leben gelassen und unter Muggeln ausgesetzt wurden und sich daher mit diesen fortpflanzten und die Magie praktisch als „Schläfergen“ weitergegeben haben. In Rodolphus‘ Augen wäre mit den Ergebnissen dieser versehentlichen, genetischen Experimente nicht anders zu verfahren als mit den Halbblütern. Er hält es in dieser Hinsicht durchaus ganz wie Gellert Grindelwald und vertritt die Ansicht, dass Magie nur in ganz besonderen Seelen erblüht. Jedes magische Leben hat in seinen Augen sehr wohl einen Wert – zumindest so lange, bis der oder die Magiebegabte selbst sich entscheidet, sich unter Wert zu verkaufen. Dann sieht die Sache ganz anders aus. Hiergegen allerdings hilft in Rodolphus‘ Augen schon, die Betroffenen so früh wie möglich aus ihren falschen Familien zu holen und ihnen eine anständige Erziehung innerhalb der magischen Gesellschaft zuteilwerden zu lassen, anstatt dafür zu sorgen, dass sie zwangsweise sich selbst überlassen sind. Wer sich dagegen sträubt, hat entsprechende Konsequenzen wiederum vollkommen selbst zu verantworten. Squibs Content Note: Eugenik Als Kind magiebegabter Eltern geboren zu werden, ohne selbst dazu in der Lage zu sein, Magie zu wirken, ist in Rodolphus‘ Augen eine üble Behinderung. Diese Kinder selbst trifft daran freilich keine Schuld. Sie haben sich schließlich nicht ausgesucht, so geboren zu werden. Sie von dieser Bürde zu erlösen, anstatt sie in die Muggelwelt zu zwingen oder in einer Schattenexistenz am Rande der magischen Gesellschaft zu zwingen, ist für ihn allerdings die absolut logische Konsequenz daraus, dass sie nicht zaubern können. Squibs sind freilich keine Muggel. Ob nun aber der Zugriff zur Magie gestört oder diese wirklich nicht in ihnen vorhanden ist, in ihnen ist der Fakt, dass sie nicht magiebegabt sind, ein Defekt, der keineswegs erneut in die Erblinie hineingetragen werden darf. Somit ist es in Rodolphus‘ Augen nur naheliegend, dass ein Squib spätestens dann, wenn Magie sich im Hogwarts-Alter noch immer nicht eingestellt hat, nachhaltig aus der Familie entfernt und hierfür beseitigt wird. Das ist in seinen Augen keine unnötige Grausamkeit und stellt keinen Mord, sondern aktive Sterbehilfe und damit einen Akt der Gnade dar. Muggel Sie stehen auch für Rodolphus keineswegs auf derselben Stufe wie die Magiebegabten. Rodolphus kann noch anerkennen, dass eine gewisse, oberflächliche Verbindung zu ihnen wichtig ist, um im Weltgeschehen keine bösen Überraschungen zu erleben. Er ist auch durchaus der Meinung, dass es klüger ist, sich unbemerkt unter ihnen bewegen zu können, als aufzufallen wie ein bunter Hund, nur weil man sich nicht mit ihnen auseinandersetzen will. Dafür gibt es, jedenfalls seiner Ansicht nach, bei weitem zu viele Muggel und im Durchschnitt viel zu wenige Hexen und Zauberer. Gewissermaßen sind sie ein notwendiges Übel, mit dem umgegangen und das gewissermaßen auch im Griff gehalten werden muss. Hierfür ist es seiner Ansicht nach allerdings keineswegs notwendig, sie über die Existenz von Magie in Kenntnis zu setzen – ganz im Gegenteil. Die Muggel sind weit einfacher zu steuern, wenn sie nicht wissen, dass das mittels Magie möglich ist und sie keine Ahnung davon haben, dass sie gesteuert werden könnten. Ansatzweise brauchbares Nutzvieh geben sie immerhin durchaus ab. Nicht für jede Arbeit, die eine Hexe oder ein Zauberer nicht selbst übernehmen will, braucht es immerhin Magie. Werwölfe Das Werwolfdasein ist ein Fluch. Ähnlich wie bei den Squibs sieht Rodolphus auch hier die gangbarste Lösung für das ganze Problem darin, diese Spezies, die es im Grunde genommen ohnehin nicht geben sollte, auszurotten. Für diejenigen, die gegen ihren Willen verwandelt wurden, ist das selbstredend dumm gelaufen und reichlich bedauerlich. Um eine weitere Verbreitung des Fluches zu vermeiden, wäre es allerdings die einzige, logische Konsequenz. Dabei erkennt er sehr wohl auch an, dass es nützlich sein kann, die Werwölfe zunächst zu benutzen. Diejenigen von ihnen, die sich dafür hergeben, als tollwütige Kettenhunde gebraucht zu werden, lassen sich außerordentlich gut einsetzen, um Angst und Schrecken zu verbreiten und damit Teile der Bevölkerung ein bisschen deutlicher davon zu überzeugen, sich dem Willen der Todesser zu beugen. Entsprechende Mechanismen, wenn sie sich anbieten, auch zu verwenden, bis man am gewünschten Ziel ist, erscheint Rodolphus sehr wohl schlüssig. Das entbindet am Ende aber eben keineswegs davon, die Werwolfproblematik abschließend zu lösen. Wenn die Werwölfe bereitwillig bis dahin mitgearbeitet haben, erleichtert das allerdings die Endlösung ungemein, wie Rodolphus findet. Hauselfen Hauselfen sind für Rodolphus so selbstverständlich wie für andere die Luft zum Atmen. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass er die Hauselfen wie Luft behandelt. Er sieht sie durchaus als ihrem Haushalt untergeben an und ist sich des Umstandes bewusst, dass sie Augen und Ohren haben. Entsprechend umsichtig bewegt er sich in Häusern anderer, wenn er nicht sicher sagen kann ob, oder mit Sicherheit weiß, dass diese anderen Hauselfen haben. Auch achtet er darauf, dass die Lestrange Hauselfen sehr genau wissen, dass sie mit niemandem, sei es nun Mensch, Portrait, Hauself oder Gegenstand in Hörweite eines anderen kommunizierenden Wesens außerhalb des Lestrangehaushaltes über Familienangelegenheiten zu sprechen haben. Er behandelt die Lestrange Hauselfen nicht grausam oder unfreundlich, geht aber ebenso wenig davon aus, dass es sich bei ihnen um Freunde handelt. Hauselfen sind für ihn Bedienstete. Bedienstete sollte man anständig behandeln, aber keineswegs wie Gleichgestellte. Allerdings hat Rodolphus seinem Hauselfen verboten, sich selbst zu bestrafen. Er hält überhaupt nichts davon, welche Ausmaße Strafen annehmen können, wenn der Hauself selbst glaubt, darüber entscheiden zu müssen, wie sie auszusehen haben. Ein Fehltritt seines Hauselfens hat ihm daher von diesem gebeichtet zu werden und er verhängt die dafür seines Ermessens nach sinnvolle Strafe selbst. Ministerium Das Ministerium krankt an allen Ecken und Enden. Anders als einige andere Vertreter der reinblütigen Gesellschaft macht Rodolphus hierfür allerdings keineswegs ausschließlich Halbblüter, Muggelstämmige und zu liberale Strömungen verantwortlich. Im Grunde genommen ist in seinen Augen sogar das genaue Gegenteil die Ursache dafür, dass das Zaubereiministerium „vor die Hunde geht“, wie mancheiner so gerne zu sagen pflegt. Vom Jammern wurde noch nie etwas besser. Und insbesondere diejenigen, die sich im Grunde genommen zwar eine konservativere, für schwarze Magie offenere und auf die alten Traditionen weiterhin bedachte Führung wünschen würden, sind in Rodolphus‘ Augen zwar überwiegend ganz hervorragend darin, zu maulen, aber nur wenig bereit, auch etwas dafür zu tun, dass ihre Wünsche umgesetzt werden. Rodolphus selbst sieht diese Punkte übrigens nicht als Wünsche. Er sieht sie als Anspruch, den ein anständiges Mitglied der magischen Gesellschaft haben darf. Nur, dass man seine Ansprüche von Zeit zu Zeit eben auch mit mal mehr und mal weniger sanftem Nachdruck durchsetzen muss. Das wird niemand für einen erledigen, nur weil man sich hinstellt und nörgelt. Geboren wurde Rodolphus in den frühen Morgenstunden einer Gewitternacht in Lestrange Court, wo er nicht nur aufwuchs, sondern auch bis heute lebt. Als Erbe wird ihm irgendwann das Anwesen zufallen, was auch bedeutet, dass sein Vater bereits früh begann, ihn in die Geschicke des Anwesens und seine späteren Aufgaben einzuweisen. Auch dem Anwesen sieht man an, dass die Familie aus ihrem schwarzmagischen Wissen keinen Hehl macht. In den sauber und hübsch angelegten Beeten kultiviert die Familie so manches Kraut und so manche Pflanze, die sich inzwischen nahezu ausschließlich in Rezepturen wiederfinden, die längst nicht mehr legal gebraut werden dürfen. Schon als Kind spielte Rodolphus bevorzugt im Heckenlabyrinth, das das Herzstück der Parkanlage mit den sorgfältig abgetrennten Giftgärten und den akkurat geschnittenen Hecken bildet. Heute bewohnt er mit seiner Ehefrau Bellatrix - und zeitweise auch Antonin Dolohov, den Westflügel des Anwesens. Anders als die repräsentativen Teile des Hauses wirkt dieser Bereich spürbar lebendiger. Zwischen kostbaren Möbeln, alten Büchern und sorgfältig verwahrten, auch hier selbstredend ausgestellten Familienerbstücken, finden sich hier immer wieder obskure, magische Artefakte, Bücherstapel und Gegenstände, zu denen Außenstehende vermutlich lieber keine weiteren Fragen stellen würden. Trotz aller Eleganz haftet dem Wohnbereich dadurch stellenweise etwas angenehm Ungeordnetes an - allerdings auf jene kontrollierte Weise, die nur Menschen mit sehr viel Geld überzeugend zustande bringen. Dass Antonin Dolohov dort beinahe ebenso regelmäßig anzutreffen ist wie die eigentlichen Bewohner des Flügels, scheint innerhalb der Mauern von Lestrange Court längst niemanden mehr ernsthaft zu überraschen. Von allen dreien wird auch der Duellbereich im Keller ausgiebig genutzt, um die eigenen Fähigkeiten weiter auszubauen. ![]() Namensbedeutung Rodolphus ist eine latinisierte Form des althochdeutschen Namens Rudolf und bedeutet übersetzt „der ruhmreiche Wolf“ oder „der ehrenvolle Wolf“. Selbst unter den Muggelfürsten war dieser Name im Mittelalter und der frühen Neuzeit recht verbreitet. Auch wenn Rodolphus' Eltern daran sicherlich nicht dachten, als sie ihm diesen Namen gaben. Der Nachname Lestrange (auch L'Estrange oder Le Strange) stammt aus dem Altfranzösischen und bedeutet „der Fremde“ oder „ausländisch“. Ursprünglich als Spitzname für Zugezogene oder Fremde verwendet, etablierte sich der Name nach der normannischen Eroberung Englands 1066. Wirkung auf andere Auch wenn die magische Gesellschaft Großbritanniens längst keinen Adel mehr kennt, haftet dem Erben der Lestranges noch immer die alte Eleganz und die geisterhafte Ahnung des Glanzes und der Macht vergangener Zeiten an. Er besitzt eine ruhige, kaum wegzudiskutierende Präsenz, mit der er einen Raum einzunehmen vermag, noch bevor er ihn vollständig betreten hat. Rodolphus strahlt eine erhabene Ruhe aus, die deutlich macht, dass er niemanden auf seine eigene Wichtigkeit aufmerksam machen muss. Er scheint mit beinahe schlafwandlerischer Selbstverständlichkeit davon auszugehen, dass sein Gegenüber diese längst erkannt hat. Dabei gibt der hochgewachsene, stets adrett und dem Anlass angemessen gekleidete Mann mit den scharf geschnittenen Gesichtszügen und den wachen Augen sich keineswegs offen überheblich. Im Gegenteil; auf den ersten Blick könnte man beinahe glauben, es mit einem durch und durch nahbaren, wenn auch kontrollierten und eher kühlen Zeitgenossen zu tun zu haben. Rodolphus’ Manieren sind makellos und anders als viele andere Reinblüter vergisst er sie nicht einmal dann, wenn er jemandem begegnet, den er gesellschaftlich weit unter sich einordnet. Selbst einem Muggel gegenüber würde er zunächst mit tadellosem Benehmen auftreten - und die Person, die ihm dafür verächtlich begegnet, maximal milde belächeln. Gerade diese kontrollierte Höflichkeit sorgt allerdings dafür, dass Begegnungen mit ihm selten so unverbindlich bleiben, wie sie zunächst scheinen. Rodolphus neigt dazu, sein Gegenüber mit einem wachen, kühlen Blick zu taxieren - mit jener Art Blick, unter dem man sich beinahe automatisch gerader aufrichtet, bewusster spricht und plötzlich damit beginnt, auf jede eigene Regung zu achten. Gespräche mit dem Lestrange-Erben hinterlassen nicht selten das Gefühl, aufmerksam beobachtet und längst eingeordnet worden zu sein, auch wenn man niemals erfährt, zu welchem Ergebnis er dabei gekommen ist. Trotz seiner Ruhe haftet Rodolphus etwas latent Raubtierhaftes an. Nicht offen aggressiv oder impulsiv, sondern kontrolliert und bewusst eingesetzt. Insbesondere dann, wenn jemand sein Interesse weckt oder sichtbar auf ihn reagiert, macht er sich einen stillen Spaß daraus, sein Gegenüber allein mit seiner plötzlich sehr ungeteilten Aufmerksamkeit aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die ruhige Intensität seines Blickes und die Selbstverständlichkeit, mit der er Gespräche lenkt oder Situationen an sich zieht, führen schnell dazu, dass andere beginnen, sich unbewusst nach ihm auszurichten. Rodolphus ist sich dieser Wirkung sehr bewusst und setzt sie gezielt ein, um Reaktionen hervorzurufen, Unsicherheiten freizulegen oder Kontrolle über eine Begegnung zu gewinnen, ohne seine Stimme je merklich heben zu müssen. All seiner kultivierten Ruhe zum Trotz bleibt dabei häufig der Eindruck zurück, dass hinter seiner makellosen Fassade jederzeit etwas Härteres hervortreten könnte, sollte die Situation es erforderlich machen. Grausamkeit selbst scheint Rodolphus kaum zu stören, doch nutzt er sie niemals aus bloßer Impulsivität oder offenem Sadismus heraus. Für ihn bleibt sie ein Mittel zum Zweck - nüchtern, kontrolliert und ohne jede Hast. Gerade diese Selbstverständlichkeit sorgt dafür, dass seine Gegenwart auf viele Menschen zugleich faszinierend und unterschwellig beunruhigend wirkt. Nur in seltenen Momenten verliert seine kontrollierte Erscheinung etwas von ihrer Kühle. Wirkliche Wärme zeigt sich in seinem Blick beinahe ausschließlich dann, wenn dieser auf Personen fällt, die ihm emotional besonders nahestehen. Sieht er seine Ehefrau Bellatrix Lestrange, seinen jüngeren Bruder Rabastan Lestrange oder Antonin Dolohov an, könnte man beinahe meinen, ein sanftes Lächeln in dem Zug um seine Augen wahrzunehmen. Persönliche Geschichte 15.09.1958 Etwas „lag in der Luft“ hätte man wohl gesagt, wäre dieser Tag eine Szene aus einem der Bücher gewesen, die Rodolphus so begierig zu verschlingen begonnen hatte, seit seine Mutter ihm das Lesen beibrachte. Heute war sein Unterricht jedoch ausgefallen. Er hatte keine Erklärung dafür bekommen, während Mutter schon beim Frühstück besorgt gewirkt hatte. Immer wieder hatte sie Rhouben sanft übers Haar gestrichen, hatte seine Kleidung zurechtgerückt, ihn mit liebevollen, kleinen Gesten so sehr überhäuft, dass der Neunjährige irgendwann die eigene Irritation darüber nicht mehr hatte verbergen können und sich vorschnell und ohne Erlaubnis vom Tisch entfernt hatte. Auch das, hatte Rodolphus bemerkt, war anders als sonst vollkommen ohne Sanktion geblieben. Vater hatte mit steinerner Miene auf den leeren Platz geblickt, ehe er sich erhoben und die Frühstückstafel damit aufgelöst hatte. Nach London, hatte er gesagt, würde er reisen. Mutter hatte einen erstickten Laut von sich gegeben, aber nicht protestiert, auch wenn ihre Augen einen beinahe flehenden Blick gehabt hatten, aus dem Rodolphus sich keinen Reim machen konnte. Er hatte seinen Weg von allein in die Bibliothek gefunden. Hatte sich das Buch über die Crups genommen, in dem er derzeit las. Sie hatten immerhin selbst zwei davon, Harlow und Hawthorne. Rodolphus mochte die beiden, anders als Rhouben, der sich vor den hundeartigen Wesen mit den gegabelten Ruten fürchtete, weil sie zu knurren und zu bellen begannen, wenn er sich ihnen näherte. So ganz verstand Rodolphus nicht, weshalb. Eigentlich sollten sie so nur auf Muggel reagieren, stand in dem Buch. Aber Rhouben war sein älterer Bruder, der Erbe der Lestranges und damit ganz bestimmt kein Muggel. Das konnte er immerhin gar nicht sein. Langsam und noch ein wenig mühselig arbeitete Rodolphus sich Seite für Seite durch das Buch, die Zungenspitze zwischen die Lippen geklemmt und mit einer konzentrierten Falte auf der Stirn. Die Stunden vergingen. Am Rande nahm er wahr, dass sein Vater aus dem Kamin trat und seine Mutter, die gerade hereingekommen war, einen erstickten Laut von sich gab, kaum dass sie ihn angesehen hatte. Mutter floh förmlich aus dem Raum, während Vater Rodolphus im Vorbeigehen über den Kopf strich. Das war ungewöhnlich, stellte Rodolphus fest. Für gewöhnlich tat Roderick das nur mit Rhouben. „In dreißig Minuten fütterst du die Crups“, entschied Vater ruhig. „Komm dann zu mir, ich werde ihr Futter bis dahin vorbereitet haben.“ Später würde Rodolphus sich daran erinnern, dass er sich im Vorbeigehen am Speisezimmer gefragt hatte, wohin Rhoubens Stuhl verschwunden war und warum die Hauselfen nur für vier und nicht für fünf Personen eindeckten. Er erinnerte sich daran, wie seine Mutter kurz erstarrt inne gehalten und sich dann abgewandt hatte, als Vater mit den beiden Näpfen voll frischem Fleisch zu Rodolphus gekommen und mit ihm die steinernen Stufen zum Hof hinunter gegangen war. Erst unten, wo Harlow und Hawthorne bereits mit den Ruten wedelnd artig Platz genommen hatten und warteten, reichte er den ersten Napf an Rodolphus weiter. „Stell beide nacheinander ab und warte dann einen Moment, bevor du ihnen erlaubst, zu fressen“, wies Vater ihn an. „Lass nicht zu, dass sie vorher fressen. Du bist der Erbe des Hauses Lestrange. Auch die Crups dürfen dir nicht auf der Nase herumtanzen.“ Rodolphus hielt den Napf fest und sah zu Roderick auf. „Aber Rhouben ist doch der Erbe?“, wunderte er sich, unwillkürlich ein wenig den Kopf einziehend, weil er Vater damit gewissermaßen direkt widersprach. Vaters Blick ruhte kühl und steinern auf ihm. Oder vielleicht doch auf dem Napf in seinen kleinen Händen? „Nicht mehr. Und jetzt füttere die Crups. Danach wirst du diesen Namen vergessen, Rodolphus.“ Eine harte Lektion Schon, als er gesehen hatte, was Vater in der Hand hielt, war Rodolphus klar gewesen, dass er in Schwierigkeiten steckte. Er vermied es, zu schlucken oder anderweitig ertappt auszusehen. Er hatte damit gerechnet, womöglich eine gehörige Tracht Prügel einzustecken. Nicht damit gerechnet hatte er, dass sein Vater ihn am Arm packte, mit sich auf den Duellierplatz zerrte und ihn zum Duell forderte. Dieses war ebenso schnell vorbei gewesen, wie es begonnen hatte. Rodolphus hatte dem ersten Zauber noch ausweichen können, hatte ein oder zwei sogar abgewehrt, war aber nicht ein einziges Mal dazu gekommen, selbst auch nur zu versuchen, zum Gegenangriff anzusetzen. Er schmeckte Blut, als er, von einer Druckwelle erwischt, auf den Rücken geschleudert über den Boden schlitterte. Sein Zauberstab fiel einige Meter weiter zu Boden. „Entscheidungen darüber“, setzte Vater ihn frostig in Kenntnis, „worüber du dich zu informieren hast und worüber nicht, kannst du dann treffen, wenn du in der Lage dazu bist, dich in einem Duell gegen mich durchzusetzen. Hast du das verstanden?“ Rodolphus hatte widersprechen wollen. Offenkundig deutlich genug, dass Roderick den wütenden Blick und den Widerwillen bemerkte. Er trat dem am Boden Liegenden in die Seite. „Ob du mich verstanden hast, habe ich dich gefragt, Junge!“ Kurz mahlten Kiefer gegeneinander, ehe Rodolphus im Ausatmen ein „Ja, Sir!“, zwischen den Zähnen hindurch presste. Selbsterkenntnis Locken waren etwas ausgesprochen Schönes. Sie fühlten sich toll zwischen den Fingern an und insbesondere dann, wenn sie lang genug getragen wurden, um hineingreifen zu können, waren sie fürchterlich praktisch. Dann ließen sie sich benutzen, wie Zügel, um den vornübergebeugten Körper in der gewünschten Position zu halten. Er mochte auch das sich ausbreitende Rot, dort, wo seine Hand gerade eben getroffen hatte, stellte er fest, den Griff im Haar des anderen noch ein wenig festigend. Natürlich war das hier nichts, das sie lautstark herumposaunen konnten. Natürlich wussten sie beide, dass eigentlich etwas anderes von ihnen erwartet wurde. Aber es war … konsequenzlos nett und auf eine ganz eigene Art und Weise in seiner Skandalhaftigkeit herrlich unskandalös. Dann probierten sie sich eben aus. Es stand immerhin außer Frage, dass sie wussten, dass in der Zukunft eine standesgemäße Ehe und das Zeugen von Erben auf sie warten würde. Miteinander konnten sie bis dahin zumindest keine Bastarde in die Welt setzen oder eine ehrbare, junge Reinblüterin in Schande stürzen. Es hätte, wäre der unwahrscheinliche Fall eingetreten, dass sie erwischt würden, ausreichend Erklärungen gegeben, um einen möglichen Skandal im Keim zu ersticken. Und der Hufflepuff, in den er gerade ein weiteres Mal stieß, während dieser den Rücken unter ihm durchbog, würde gewiss nicht umherziehen und lautstark verkünden, dass Rodolphus Lestrange sich mit ihm in einem der nicht mehr genutzten Klassenzimmer vergnügt hatte. Auch er hatte einen Ruf zu verlieren. Es gab also keinen Grund, nicht einfach zu genießen. Zu akzeptieren, dass im eigenen Geschlecht ebenfalls eine gewisse Anziehung lag. Und dass sich auf diese Art und Weise Möglichkeiten eröffneten, an die Rodolphus im Umgang mit einer Frau keineswegs zwangsweise gedacht hätte. Körperliche Lust war nichts Schlechtes. Daran war nichts falsch, solange beide Parteien auf ihre Kosten kamen. Auch wenn er dem Lockenschopf rasch eine Hand vor den Mund hielt, um dessen Lustschrei zu ersticken, bevor dieser noch den Hausmeister hätte auf den Plan rufen können. Verbundenheit Er hatte den Raum durch eines der Tagebücher seiner Vorfahren entdeckt. Und er brannte darauf, ihn der Person zu zeigen, die schon seit langem eine der Wichtigsten in seinem Leben war. Eine geradezu ungewohnte Begeisterung ging von Rodolphus aus, auch wenn man ihn sehr gut kennen musste, um den milden Anflug erwartungsvoller Ungeduld zu erkennen, der sich in ihm regte. Er hatte sie an der Hand genommen und mit sich geführt, bis sie vor dem Wandbehang von Barnabas dem Bekloppten angekommen waren. In den Augen des Lestranges sprühte der Schalk, auch wenn seine Haltung ebenso tadellos war wie sonst auch. Ein warmes Lächeln zupfte an seinen Lippen. „Du wirst es lieben, Bella“, versicherte er ihr, ehe er ein wenig den Kopf neigte. „Jedenfalls hoffe ich das. Wir müssen nur dreimal vor dieser Wand auf und ab gehen. Ich habe es schon getestet. Es funktioniert. Wünsch dir dabei einfach, mit mir den Raum zu betreten, den ich vorbereitet habe.“ Er hatte bereits Kerzen aufgestellt. Essen aus der Küche geholt und angerichtet. Und dafür gesorgt, dass das Zimmer aussah wie eine kleinere Kopie des Saals in Lestrange Court. Ein Tisch war darin aufgestellt. Musik spielte. Rosenblätter lagen dekorativ auf dem Tisch, in dessen Mitte ein Strauß schwarzer und roter Rosen stand, als die Tür aufschwang und Bella den Blick auf das Innere frei gab. Rodolphus sah sie erwartungsvoll an. „Ich dachte mir“, erklärte er, „ich kann das Angenehme ja auch mit dem Nützlichen verbinden und dich einfach, während ich dir zeige, was dieser Raum so alles kann, fragen, ob du mit mir ausgehen willst?“ Er behielt sie aus dem Augenwinkel im Blick. Äußerlich wirkte er vollkommen ruhig. Aufmerksam und gefasst, wie immer. Innerlich allerdings war er sich seiner Nervosität durchaus bewusst. Sie könnte immerhin auch nein sagen. Dafür allerdings hätte er sich schon arg verschätzt haben müssen und dazu neigte er nun keineswegs. Sie würde nicht nein sagen. Er hatte gesehen, wie sie ihn anblickte, wenn sie glaubte, dass er es nicht mitbekam. Der erste Sieg Es kam selten vor, dass er zornig wurde. Dass Roderick die Entscheidung, ob Rodolphus um Bellatrix‘ Hand anhalten durfte, auf diese Art und Weise treffen lassen wollte, brachte Rodolphus allerdings zum Schäumen. Bellatrix war ihm wichtig. Er wollte diese Ehe und sie war eine mehr als nur angemessene Gattin. Seine Eltern hatten sie gerne und achteten die Blacks. Es gab keinerlei rationalen Grund, der gegen eine Verbindung mit ihr gesprochen hätte, sah man einmal davon ab, dass Rodolphus diese Entscheidung selbst getroffen hatte. Es gab also auch keinerlei Grund, sich zurückzuhalten. Wenn sein Vater wollte, dass er für das kämpfte, was er für richtig hielt, dann würde Rodolphus sich dieses Mal durchsetzen. Flüche flogen, Blitze zuckten um den Duellierplatz. Die beiden Kontrahenten, Vater und Sohn, schenkten einander nichts. Roderick hatte sich ohnehin nie in Zurückhaltung geübt, wenn er die eigene Überlegenheit demonstriert hatte, anstatt auf Rodolphus‘ Argumente einzugehen. Heute nicht. Nicht in dieser einen Sache! Der Sprengzauber war nur die Ablenkung gewesen, ehe Rodolphus mit einem Stabschlenker die Knochen in Rodericks Stabarm und seinem linken Bein verdrehte. Das würde sich wieder in Ordnung bringen lassen. Es würde nur einige Tage dauern, bis es wieder vollständig abgeheilt war. Er selbst hatte einen unschönen Kratzer im Gesicht davongetragen, war ansonsten allerdings unverletzt. „Nächstes Mal“, informierte er unterkühlt, während er den Zauberstab seines Vaters vom Boden aufhob und beiläufig einsteckte, „wirst du mir zuhören, wenn ich ein sachliches Gespräch mit dir führen will. Hast du mich verstanden?“ Der wütende Blick, stellte Rodolphus fest, war keineswegs so beeindruckend, wenn er vom Boden aus auf einen gerichtet wurde. Er neigte ein wenig den Kopf, gerade als müsse er sein Ohr ein wenig näher an Rodericks Lippen bringen und trat dabei auf Rodericks Finger. „Ich glaube, ich konnte dich noch nicht richtig hören. Hast du mich verstanden?“ Möglich, dass er den Bogen damit ein wenig überspannte. Allerdings hatte sein Vater noch nie viel von Nachsicht gehalten. | |||||||||||||
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